VON GEDANKEN, BEDÜRFNISSEN UND DER VERÄNDERUNG
Wenn ich mich umschaue, dann sehe ich gerade Leid. Sehr viel Leid! Ich spreche hier nicht von all dem Leid auf der Welt, von Kriegen, Morden und Gewalt. Ich sehe es im Kleinen, in jedem von uns. Wie im Innen, so im Außen. Und ich verstehe immer mehr, wie all das Leid in diesem Moment von uns selbst erschaffen wird.
Ich beobachte es bei älteren Menschen, die resigniert sind vom Leben, schlecht gelaunt und überhaupt keine Lebensfreude mehr zu haben scheinen. Sehe Paare, die unzufrieden nebeneinander herleben, weil sie sich trotz allem nicht voneinander trennen können. Ich erlebe Singles, die sehr unglücklich über ihren derzeitigen Status sind und ihre Einsamkeit kaum aushalten können. Kinder, die von ihren Mitschülern drangsaliert, verspottet und gemobbt werden. Mittdreißiger, die denken, sie müssten perfekt sein, bis sie langsam ausbrennen. Die Bandbreite ist unerschöpflich. Ich erkenne so viele leidende Menschen in meinem Umfeld und würde allen so gerne helfen.
Aber ich kann nicht. Sie lassen mich nicht. Weil, sie wollen nicht.
Die Gründe dafür sind mannigfaltig, doch lässt sich das auf einen kleinen Nenner herunterbrechen: die Veränderung. Veränderung bedeutet Wachstum. Wachstum ist das Gegenteil von Stillstand. Und auch wenn wir uns in dem Hamsterrad unseres Lebens nicht fühlen, als würden wir stillstehen, so tun wir es dennoch ... in unserem Geiste. Denn wir haben Angst vor der Veränderung und können daher nicht wachsen.
Wir verharren in toxischen Beziehungen, halten Situationen schmerzvoll aus, übergehen unsere tiefsten inneren Bedürfnisse für andere. Wir werden unzufrieden, frustriert, ungnädig zu anderen und vor allem mit uns selbst. Wir trinken, wir konsumieren, wir lenken uns ab. Wir urteilen, bewerten und lügen uns selbst etwas vor. Wir verstehen den Sinn des Lebens nicht, suchen in Büchern nach Antworten, reisen durch die Welt, um Lösungen zu finden. Wir suchen unentwegt im Außen und überhören dabei unser Innerstes.
Ich würde all das nicht so formulieren, wenn ich es selbst nicht so erlebt hätte. Und ich möchte auch nichts pauschalisieren, da jedes Leben individuell gelebt wird und jeder seine eigene Sicht- und Betrachtungsweise dazu hat.
Dennoch kann ich sagen, dass sich unser Leben verändern wird, wenn wir anfangen, uns selbst zuzuhören. Es fällt bestimmt nicht leicht, aus 80.000 Gedanken am Tag die Gedanken herauszufiltern, die uns gerade so beeinflussen. Es ist wie ein großer Hefeteig, den man erst einmal in kleine runde Kugeln trennen muss, damit man überhaupt einen Überblick bekommt. Fakt ist, die Gedanken, die uns gerade beschäftigen, denken wir natürlich mehrfach am Tag. Haben wir ein und denselben Gedanken mehrfach, so wird das ein Glaubenssatz genannt. Es ist ein Satz an Gedanken, dem wir Glauben schenken, egal ob dieser wahr oder unwahr ist. Man unterscheidet in rationale und irrationale Gedanken. Wie gesagt, wir glauben sie alle! Denn unser Unterbewusstsein kann nicht filtern, ob der Gedanke wahr ist oder falsch. Unser Unterbewusstsein glaubt ihm, und selbstverständlich noch viel mehr, wenn er in großer Gruppe auftritt, wie bei einem Glaubenssatz. Was passiert also, wenn wir all das glauben? Wir fühlen es! Zuerst einmal ganz grob: Es fühlt sich gut oder schlecht an. Bei zigtausenden Gedanken am Tag spinnt unser Kopf währenddessen natürlich weiter. Aus dem Teigkügelchen wird ein Teigbrocken, dessen Wachstum sich verselbstständigt.
Und dieser Brocken fühlt sich – sofern er aus irrationalen Gedanken besteht – so gar nicht mehr gut an. Er liegt nämlich sehr schwer im Magen und wir fühlen uns unbehaglich. Aus Unbehagen werden Sorgen, Ängste, Schuldgefühle, Depressionen, gar chronische Krankheiten und so vieles mehr. Es entwickeln sich Emotionen aus unseren Gedanken, die wir fühlen können. Und je schlimmer sie sich anfühlen, desto mehr beschweren und belasten sie uns. Oftmals können wir gar nicht sagen, was es ist oder wie es sich anfühlt, denn wir haben den Zugang zu uns verloren. Es scheint, als hätten wir das Passwort für unseren eigenen Account vergessen. Und nun wabert es in uns, dieses Gefühl, das uns unzufrieden macht, uns ohne ein Lächeln durch den Tag gehen lässt und uns im Bett liegend leer fühlen lässt. Zu allem Überdruss kommt nun noch hinzu, dass alles im Außen sich gegen uns zu wenden scheint. Dort leckt ein Wasserrohr, da ist das Kind krank und drüben fährt uns auch noch jemand ins Auto. Es sind die kleinen Dinge im Alltag, die uns überschäumen lassen.
Selbstverständlich können wir keine Parallele dazu sehen, dass unsere Gedanken an einem Unfall oder einem Wasserrohrbruch schuld sein sollen. Wie auch? Wir sind alle in dem Glauben aufgewachsen, dass ein Problem gelöst werden muss. Es gibt Probleme in unserem Umfeld und Probleme in unserem „Infeld“. Das eine habe nichts mit dem anderen zu tun, wurde uns gesagt. Denn alles auf dieser Welt sei getrennt zu betrachten. So hat es unsere Wissenschaft über Jahrhunderte praktiziert. Wir glauben nämlich nur das, was wir auch sehen können. Dass es jedoch zahlreiche Studien zu Gedanken und ihren Auswirkungen gibt, wundert mich. Kann doch ein Gedanke überhaupt nicht gesehen werden. Wie kann dies also wissenschaftlich fundiert sein? Gedanken können durch Hirnstrom- Aktivitäten gemessen werden und alles, was gemessen werden kann, wird in der Wissenschaft akzeptiert und ist belegt. Es gibt sie demnach: die Gedanken!
Was hat also ein Gedanke mit dem zu tun, was in unserem Außen passiert? Lust auf einen Ausflug in die Quantenphysik? Heruntergebrochen geht er so: Alles, was ist, ist Energie. Energie ist Schwingung von Teilchen, von kleinsten Atomen. Und obwohl wir es im Physikunterricht lernen, hat uns nie jemand in der Schule erzählt, dass wir mitschwingen. Und mit uns schwingen unsere Gedanken und Emotionen. Es schwingt einfach alles im Universum. Nein, es schwingt nichts alleine. Es schwingt alles zusammen. Es ist alles miteinander verbunden. Unsere Gedanken, Emotionen, Handlungen, Ereignisse und Koinzidenzen. Kommt daher auch der Spruch „Wie im Innen, so im Außen“? Was meint ihr?
Unsere Gedanken, unsere kleine individuelle Welt, unser Mikrokosmos spiegelt sich in der Welt, dem Außen, im Großen und Ganzen dem Universum als Makrokosmos wider – und umgekehrt. Nur können wir die Zusammenhänge nicht erkennen. Wie auch? Es passiert meist auch nicht aufeinander folgend, sondern zeitversetzt. Je nachdem, wie schnell wir schwingen.
Um nun wieder zurückzukommen und die Brücke zu schlagen: Wenn also alles im Universum zusammen schwingt, schwingen auch wir Menschen miteinander. Manchmal spüren wir auch, wenn wir mit gewissen Menschen nicht schwingen, zumindest nicht im Gleichtakt. Wir können auch spüren, wenn es unserem Gegenüber schlecht geht, er uns aber mitteilt, es gehe ihm gut. Wir bekommen es mit, wenn eine fremde Person an uns vorbeigeht und aggressiv wirkt, obwohl sie nichts macht. Wie oft spüren wir es im Außen bei anderen, hören jedoch zu selten in uns selbst hinein?
Und weil wir nicht in uns selbst hineinhören, kennen wir unser Innerstes gar nicht richtig. Oder würdest du behaupten, du kennst all deine Bedürfnisse und richtest dein danach Leben aus? „Klar, kenne ich meine Bedürfnisse“, werden jetzt viele von uns sagen. Ich behaupte das Gegenteil! Denn wenn du deine Gedanken nicht bewusst wahrnimmst, kennst du auch nicht deine Bedürfnisse. Und wenn du nicht deine Bedürfnisse kennst und dein Leben nicht danach ausrichst, kannst du kein glückliches Leben führen. Krasse These, oder?
Das Unglück dahinter steckt in der Angst, die wir haben. Die Angst, die eigene Wahrheit zu erkennen und eine Veränderung vornehmen zu müssen. Eine Veränderung – eine Neu-Justierung – die erstmal nicht nur Ihnen, sondern auch Ihrem Umfeld, Ihren Liebsten wehtut. Denn Mama sagt auf einmal „NEIN!“ und Papa kündigt seinen Job. Oma trennt sich von Opa und Ihr Kind sieht sich als transsexuell an. Wir sind bestürzt. Ist doch die Welt nicht mehr so, wie sie mal war. Mit Veränderungen können die meisten von uns schlecht umgehen. Daher bleiben wir lieber in der Situation und verharren. Wir denken, dass Veränderungen schlecht seien. Denn mit Veränderungen kommen auch viele Emotionen an die Oberfläche. Abschied nehmen von Menschen, Loslassen von Vorstellungen und Akzeptieren von allem, was ist. Das tut weh! So richtig! Wollen wir doch so ungerne unseren Schmerz spüren, ihn lieber vermeiden. Lassen wir ihn lieber im Innern wabern und sich als Krankheit im Außen manifestieren. Vom Herpes-Bläschen bis zum Tumor ... wie im Innen so im Außen!
Verstehen wir doch endlich, dass unser Leid selbst erschaffen ist. Werden wir unserer Gedanken gewahr, leben unsere Emotionen, spüren Liebe und auch Schmerz, leben unsere Bedürfnisse und lassen Veränderung zu, so geschieht eines: Es geht alles in Resonanz. Unser Leben nimmt eine andere Richtung an. Denn es fühlt sich gut an. Auch wenn es mal nicht so läuft, wie wir es uns wünschen, so können wir damit umgehen. Denn wir haben unser Leben wieder im Griff. Wir leben es, so wie wir es uns wünschen. Wir leben unsere Bedürfnisse und vor allem kennen wir unsere Gedanken. Wir kennen uns und unser Innerstes. So wie im Innen, lassen wir es nun im Außen schwingen. Unser Leben wird sich in unserer Wahrnehmung verbessern und folglich auch ein wenig die Welt.
Fang bei dir selbst an! Für Frieden und Freiheit im Innen sowie Außen!
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